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Kapitel 20: Im nächsten Jahr nur noch das Nötigste

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Kapitel 20 (06.11.2015)

„Nur noch das Nötigste (und davon bitte die Light-Version)“ Wenn man die Geschichte der neuen Feuerwache eines Tages vertonen wollte, dann wäre dieses Kapitel leise. Sehr leise. Fast so leise wie ein Haushaltsansatz, der sich anschleicht und flüstert: „Mehr ist gerade nicht drin.“ Die Stadt hatte inzwischen gelernt, mit großen Augen auf kleine Zahlen zu schauen. Investitionen gab es noch – aber nur die, die man mit gutem Gewissen als „unumgänglich, dringend und bitte möglichst billig“ bezeichnen konnte. Schulen, Feuerwehr, Nordmarkhalle: alles wichtig, alles notwendig, alles… irgendwann. 

Die neue Feuerwache stand derweil immer noch nicht. Sie lag – gedanklich – irgendwo zwischen Aktenordnern, PowerPoint-Folien und der Hoffnung, dass Planungskosten irgendwann als Baufortschritt anerkannt würden. Man hatte bereits Geld ausgegeben, ohne dass auch nur ein Ziegel nervös geworden wäre. Das war eine neue Disziplin im kommunalen Sport: Investieren im Standby-Modus. Im Bauausschuss nickte man verständnisvoll. Man nickte viel in diesen Jahren.
„Nur das Nötigste“, sagte man.
„Genau“, sagte jemand anderes, „und davon bitte die günstigere Variante.“
„Und falls möglich“, ergänzte eine Stimme aus der Ecke, „ohne Neubau, ohne Ausbau, ohne Umzug.“ Die Feuerwehr hörte geduldig zu. Sie war das gewohnt. Seit Jahren rückte sie zuverlässig aus, egal ob die Wache zu klein, zu alt oder zu eng war.

Während anderswo diskutiert wurde, ob man 200.000 Euro Planungskosten rechtfertigen könne, rechtfertigten die Feuerwehrleute täglich ihre Existenz mit Blaulicht und Einsatzstatistik. In der Nordmarkhalle bröselte der Putz, in den Schulen knirschten die Sporthallenböden, und irgendwo dazwischen stand die Feuerwache als das Projekt, das alle kannten, aber niemand sah

Ein Phantom der Kommunalpolitik, regelmäßig erwähnt, selten greifbar. Der Bürgermeister zeigte sich zufrieden mit Vorträgen, Modellen und Finanzierungswegen, die erklärten, warum man theoretisch alles richtig machen könne – praktisch aber lieber noch ein Jahr warte. Vielleicht würde sich ja etwas ergeben. Ein Fördertopf. Ein Wunder. Oder wenigstens ein Haushaltsüberschuss mit Humor. So endete dieses Kapitel wie so viele zuvor:
Die Feuerwache war dringend nötig, fest eingeplantausführlich diskutiert
und noch nicht gebaut. Aber alle waren sich einig:
Wenn sie eines Tages kommt, dann wird sie hervorragend vorbereitet sein.
Schließlich hatte sie über Jahre hinweg genug Zeit gehabt, in Ruhe zu entstehen.
Auf dem Papier.

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