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Kapitel 3: Sitzung des Gremiums

Kapitel 3 (02.11.2010)

Der Beschluss, der keiner war

Am 2. November 2010 trat der Ausschuss für Wirtschaft und Finanzen zusammen.

Allein der Name ließ hoffen, dass nun Bewegung in die Sache käme. Wirtschaft bedeutete schließlich Geld, und Geld bedeutete theoretisch Raum. Zumindest auf dem Papier. Tagesordnungspunkt 7 trug die nüchterne Überschrift:

„Feuerwache – Grundsatzbeschluss zur zukünftigen baulichen Entwicklung“.

Ein Grundsatzbeschluss klang nach Fundament, nach Richtung, nach Anfang vom Ende der Enge. In der Feuerwehr sprach man diesen Begriff fortan mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Skepsis aus. Es wurden Standorte genannt.

Die Heinrich-de-Haan-Schule.

Ein Bundeswehrdienstleistungszentrum.

Und – man höre und staune – sogar der bisherige Standort an der Herrenstraße. Letzteres sorgte kurz für Verwirrung: Sollte die zu kleine Wache etwa durch festes Zureden größer werden? Der Bauausschuss empfahl, alles zu prüfen. Wirklich alles. Auch Erweiterungsmöglichkeiten. Wo genau diese sein sollten, blieb offen. Vielleicht nach oben. Vielleicht nach innen. Vielleicht in einer Dimension, die bislang nur theoretische Physiker kannten. Dann meldete sich der Rathausalltag zu Wort. Zuständigkeiten wurden diskutiert. Der Bauausschuss zweifelte an seiner Zuständigkeit, der Ausschuss für Wirtschaft und Finanzen überlegte, ob er zuständig sein könnte. Am Ende war man sich einig: Irgendjemand sollte das prüfen. Die Verwaltung wurde gebeten, das zu tun. Das Ergebnis war bemerkenswert eindeutig:

Der Bauausschuss stellte seine Beschlussempfehlung zurück.

Der Ausschuss für Wirtschaft und Finanzen ebenfalls. Zwei Ausschüsse, zwei Rückstellungen – ein beeindruckender Gleichstand.

In der Feuerwehr hätte man das vermutlich als „unentschieden“ gewertet und den Einsatz trotzdem gefahren. So blieb alles, wie es war.

Die Wache blieb zu klein.

Die Akten wurden größer.

Und der Begriff „zukünftige bauliche Entwicklung“ zog als Running Gag in den Feuerwehralltag ein. Man hatte nun offiziell festgestellt, dass man sich noch nicht festlegen konnte. Ein Erfolg, wenn man es aus verwaltungstechnischer Sicht betrachtete. Die Feuerwehr hingegen betrachtete weiter ihre Spinde und stellte fest: Die hatten sich auch nicht festgelegt – nämlich auf mehr Platz. Und so ging man zurück in den Alltag.

Mit dem guten Gefühl, dass das Thema jetzt zumindest in mehreren Ausschüssen bekannt war. Das war mehr als zuvor.

Und weniger als nötig.

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