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Kapitel 17: Neuer Schuldenrekord droht

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Kapitel 17 (26.08.2015)

Alles auf den Prüfstand – außer der Geduld

Es begann mit einer Zahl.

Und wie immer war sie zu groß.61 Millionen Euro.

So viel Schulden könnten es werden, wenn man all das, was geplant, verschoben, geprüft, vertagt und neu gedacht worden war, tatsächlich bauen würde.

Nicht nur die Feuerwache – nein, das wäre zu einfach gewesen – sondern gleich das komplette städtische Investitionsmenü. Plötzlich war die neue Feuerwache nicht mehr nur ein Gebäude.

Sie war ein Risiko. Ein Rechenbeispiel.

Und für manche sogar ein Schuldenrekord mit Blaulicht.„Alles muss auf den Prüfstand“, hieß es nun.

Ein Satz, der so endgültig klang, dass man ihn am liebsten in Stein gemeißelt hätte – wenn dafür noch Geld da gewesen wäre. Im Finanzausschuss saßen sie nun beisammen, die Hüter der Zahlen.

Sie prüften, rechneten, mahnten und erklärten, dass man nur das ausgeben dürfe, was man auch habe.

Ein Gedanke, der in den letzten Jahren rund um die Feuerwache eher theoretischer Natur gewesen war. Die Feuerwehr selbst rückte in diesen Diskussionen erstaunlich ruhig in den Hintergrund.

Sie war ja da.

Sie fuhr Einsätze.

Sie funktionierte.

Und genau das machte die Sache so schwierig. Denn wenn etwas funktioniert, dann kann man es auch noch ein bisschen länger funktionieren lassen.

Zumindest auf dem Papier. Doch gleichzeitig war allen klar:

Das Gebäude entsprach nicht mehr den Vorschriften.

Nicht den sicherheitstechnischen. Nicht den organisatorischen.

Und ganz bestimmt nicht den modernen Vorstellungen von Arbeitsschutz. Man diskutierte also über Schuldengrenzen, Haushaltsdisziplin und Prioritäten.

Über die Frage, ob man eine Feuerwehr eigentlich finanzieren oder aussitzen könne Einige warnten:

Wenn man jetzt weiter zögere, werde es später nur noch teurer.

Andere hielten dagegen:

Wenn man jetzt baue, könne man sich später nichts anderes mehr leisten. Die Feuerwehr hörte zu.

Wie sie es über Jahre gelernt hatte.

Mit der Gelassenheit von Menschen, die wussten:

Am Ende klingelt sowieso der Melder – egal, was der Prüfstand sagt. Und so endete dieses Kapitel ohne Entscheidung. Aber mit vielen offenen Ordnern. Neuen Tabellen.

Und der festen Erkenntnis: Die neue Feuerwache war längst gebaut –
nur leider noch nicht aus Beton, sondern aus Zahlen.

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