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Kapitel 13: Haushalt in den roten Zahlen, was nun?

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Kapitel 13 (19.12.2014)

Wenn der Rotstift schneller rückt als das Löschfahrzeug

Gerade als die neue Feuerwache gedanklich schon hinter der Nordmarkhalle eingeparkt war, rutschte jemand aus.

Nicht auf nassem Asphalt.

Sondern im Haushalt.„Gilgenast in Not: Haushalt rutscht in die roten Zahlen“ – eine Überschrift, die klang, als hätte der Kämmerer kurz nicht aufgepasst und die Stadt sei dabei auf einer sehr teuren Bananenschale ausgerutscht. Weniger Steuereinnahmen, höhere Kosten, und mittendrin: die Feuerwehr. Natürlich. Wann war sie es nicht?Plötzlich ging es nicht mehr um Stellplätze, Hallenbreiten oder optimale Ausrückzeiten, sondern um Zahlen mit vielen Nullen und noch mehr Stirnfalten. 3,3 Millionen Euro weniger Einnahmen – das reichte, um aus jedem Bauprojekt spontan ein „Thema mit Gesprächsbedarf“ zu machen. Der Bürgermeister blieb tapfer und formulierte den neuen Leitsatz der Stadtpolitik:

„Das Ziel muss bleiben, einen ausgeglichenen Verwaltungshaushalt zu erreichen.“

Ein Satz, der beruhigend klang, aber leider keinerlei Auskunft darüber gab, wann. Die neue Feuerwache war inzwischen nicht mehr nur ein Bauprojekt, sondern ein finanzielles Abenteuer. Acht bis knapp elf Millionen Euro standen im Raum – Summen, bei denen selbst Taschenrechner kurz innehalten. Die Varianten aus Bayern lagen zwar vor, doch nun stellte sich eine ganz neue Frage:

Kann man sich Fortschritt eigentlich leisten? Der Rotstift rückte näher, und mit ihm die Erkenntnis, dass Träume zwar aus Plänen bestehen, aber aus Geld gebaut werden. Einsparungen wurden geprüft, Ausgaben verschoben, und selbst die Feuerwehr landete auf der Liste der Dinge, die man „noch einmal genau ansehen“ wollte – ein Ausdruck, der selten Gutes bedeutet. Immerhin gab es einen Hoffnungsschimmer:

Die Idee, die Feuerwehr an den Güterbahnhof beziehungsweise zur Nordmarkhalle zu verlegen, blieb attraktiv. Der Verkauf des alten Standorts könnte Geld bringen. Geld, das man dringend brauchen würde. Ein klassischer Tauschhandel: alte Enge gegen neue Schulden – aber mit Perspektive. So endete dieses Kapitel mit einer klaren Erkenntnis:

Nicht der Platz war das größte Problem.

Nicht die Planung.

Nicht einmal die Politik. Es war der Kontostand. Die Feuerwehr rückte weiter aus, wie sie es immer tat. Unbeeindruckt von Haushaltslöchern, November-Steuerschätzungen und Finanzberichten. Sie löschte Brände, während im Rathaus fieberhaft gerechnet wurde. Und irgendwo zwischen Soll und Haben wurde klar:

Diese neue Feuerwache würde nicht nur gebaut werden müssen –

sie musste auch bezahlt werden.

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