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Kapitel 7: Wie jedes Jahr zur Jahreshauptversammlung

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Kapitel 7 (17.02.2014)

Schnapszahlen, Schnitzel und die Sache mit der neuen Wache

Manche Zahlen sind einfach zu schön, um Zufall zu sein.

666 Einsätze zum Beispiel. Als die Freiwillige Feuerwehr Rendsburg ihre Jahresbilanz zog, stand diese Zahl im Raum – schwer, bedeutungsvoll und ein wenig unheimlich. Man hätte sie auch „deutlich überdurchschnittlich“ nennen können, aber 666 hatte mehr Charakter. Und sie passte erstaunlich gut zu einem Jahr, in dem eigentlich alles ein bisschen mehr geworden war: Einsätze, Belastung, Erwartungen – nur der Platz war es nicht. Die Jahresversammlung fand im „Hohen Arsenal“ statt. Ein Ort mit ausreichend Raum, Sitzgelegenheiten und funktionierenden Wegen. Einige Kameraden bemerkten still, dass man sich hier problemlos umdrehen konnte. Ein Luxus, den man von der eigenen Wache nicht kannte. Es wurde gewählt, geehrt und gesprochen.

Der Bürgermeister lobte.

Der Kreiswehrführer ordnete ein.

Und irgendwo zwischen Zahlenkolonnen und Dankesworten tauchte sie wieder auf: die neue Feuerwache. Diesmal klang es konkreter.

Nicht euphorisch, aber handfest.

Man wolle nun die Standortfrage ernsthaft prüfen, hieß es. Eine mögliche Fläche werde auf ihre Eignung untersucht. Worte wie „Grundstück“ und „Eignung“ hatten inzwischen fast etwas Beruhigendes. Sie klangen nach Realität. Während vorne von Zukunft gesprochen wurde, dachte man hinten an Gegenwart. An 666 Einsätze. An Tage, an denen man zweimal täglich ausrückte. An Großlagen wie Orkan „Christian“, der allein für 180 Alarmierungen gesorgt hatte. Und daran, dass man all das weiterhin aus einer Wache heraus leistete, die eigentlich längst aus der Zeit gefallen war. Zwischendurch gab es Schnitzel und Bratkartoffeln.

Eine bewährte Kombination. Sie hatte schon viele Feuerwehrjahre zusammengehalten und sorgte auch diesmal dafür, dass niemand den Mut verlor. Man nannte es intern „Einsatzverpflegung für kommunale Langstrecken“. Ehrungen wurden ausgesprochen, Dienstzeiten gewürdigt, neue Funktionen besetzt. Die Wehr lebte, wuchs, veränderte sich. Nur das Gebäude hielt tapfer dagegen. Und doch lag an diesem Abend etwas in der Luft.

Vielleicht war es Hoffnung.

Vielleicht war es nur der Nachtisch. Aber man hatte das Gefühl: Die Geschichte der neuen Feuerwache war noch nicht zu Ende erzählt. Im Gegenteil – sie hatte gerade ein neues Kapitel begonnen. Mit 666 Einsätzen.

Mit vollen Tellern.

Und mit der leisen Gewissheit, dass die nächsten Jahre wieder viel Geduld brauchen würden. Denn wenn eines sicher war, dann das:

Diese Wache würde nicht kampflos größer werden.

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