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Kapitel 4: Beschlussvorlage

Kapitel 4 (27.01.2011)

Der Beschluss mit Verfallsdatum

Im Januar 2011 geschah etwas Ungewöhnliches:

Es lag eine Beschlussvorlage vor. Nicht eine Notiz, nicht ein Prüfauftrag, sondern ein richtiges Dokument mit Nummer, Datum und Tabellen. In der Feuerwehr sprach man ehrfürchtig von „der Vorlage“. Sie versprach viel.

Sehr viel.

Vor allem versprach sie, unmittelbar zu beginnen. Das Wort „unmittelbar“ würde später noch eine wichtige Rolle spielen. Der Bauausschuss sollte entscheiden. Vergleichende Grundlagenermittlungen wurden angekündigt – für den Ausbau des bestehenden Standorts oder für eine Verlagerung zum Bundeswehrdienstleistungszentrum. Zwei Wege, ein Ziel: mehr Platz. Theoretisch. Die Verwaltung sollte Kosten zusammentragen, Fristen setzen und sogar die Feuerwehr-Unfallkasse informieren. Man las das und dachte: Jetzt läuft der Motor warm. Besonders eindrucksvoll war der Zeitplan.

Bis zum 31.12.2012 sollten notwendige Maßnahmen beantragt werden. Ein überschaubarer Zeitraum. Nur zwei Jahre. In Feuerwehrmaßstäben eine halbe Ewigkeit, in Verwaltungskategorien beinahe ein Blitzschlag. Die FUK hatte derweil bei ihrer Besichtigung im November 2010 alles noch einmal bestätigt. Die Mängel waren real, zahlreich und freundlich formuliert. Man ließ eine Übergangsfrist bis zum 30.03.2011 zu – allerdings nur, wenn ausreichend Mittel und ernsthafte Planungen erkennbar seien. Andernfalls drohten Maßnahmen. Oder schlimmer: Anordnungen. Die Feuerwehr nahm das ernst.

Sehr ernst.

Man begann zu hoffen. Hoffnung war etwas, das man bislang nur dosiert eingesetzt hatte, ähnlich wie Schaumittel. Doch wie so oft zeigte sich: Hoffnung braucht Platz. Und der war weiterhin nicht vorhanden. Der geplante Rundgang für die Ausschussmitglieder durch die Wache wurde vorbereitet. Man überlegte, ob man vorher Schilder aufstellen sollte: „Hier bitte nicht gleichzeitig stehen.“ Oder „Achtung, real existierender Zustand“. Parallel dazu wurde festgestellt, dass der ursprünglich favorisierte Standort bei der Heinrich-de-Haan-Schule nicht mehr zur Verfügung stand. Verkauft. Erledigt. Weg. Übrig blieben das Bundeswehrgelände oder die gute alte Herrenstraße – diesmal allerdings mit der Erkenntnis, dass es ohne umfassenden Umbau nicht gehen würde. Und dann waren da noch die Fahrzeuge.

Auch sie alterten. Ersatzbeschaffungen wurden diskutiert, Nutzungsdauern berechnet, Mindestbeschaffungszeiten ermittelt. 16 Monate für ein Großfahrzeug – sofern alles glatt lief. „Glatt“ war ein Wort, das in der Feuerwehr bislang eher mit Straßen im Winterdienst assoziiert wurde. So entstand ein beeindruckendes Gesamtbild:

Ein Gebäude, das zu klein war.

Fahrzeuge, die älter wurden.

Und ein Beschluss, der versprach, bald zu helfen. Bald war nun offiziell definiert als: nicht sofort, aber ernst gemeint. Die Feuerwehr machte weiter, wie sie es immer getan hatte.

Mit Einsätzen.

Mit Improvisation.

Und mit der leisen Hoffnung, dass dieses Kapitel nicht nur Papier füllen würde. Denn eines war sicher:

Wenn Akten irgendwann brennen könnten, hätte man längst anbauen müssen.

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