
Wer glaubt, dass nur Menschen eine regelmäßige Kur brauchen, der hat noch nie einen Feuerwehrschlauch kennengelernt. In den 1980er-Jahren rollte im Kreis Rendsburg täglich ein ganz besonderes Fahrzeug über die Landstraßen: der legendäre „RD – 255“. Seine Mission? Die erschöpften Schläuche der Feuerwehren einsammeln, ihnen eine gründliche Reinigung gönnen und sie anschließend geschniegelt und geschniegelt wieder in den Dienst entlassen.
Im damaligen Feuerwehrhaus an der Berliner Straße herrschte Hochbetrieb. Vier Mitarbeiter kümmerten sich darum, dass kein Schlauch unter Schlappheit leiden musste. Nach jedem Einsatz wurden die treuen Begleiter der Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner eingesammelt und in die „Schlauchpflege-Oase“ gebracht. Dort begann das volle Verwöhnprogramm:
Besonders spannend war die Atemschutzstrecke. Dort mussten die Feuerwehrleute beweisen, dass sie auch unter erschwerten Bedingungen einen kühlen Kopf bewahren konnten. Heute würde man vielleicht von einem „Escape Room für Fortgeschrittene“ sprechen – allerdings ohne Joker und mit deutlich mehr Schweiß.
Der Schlauchkraftwagen „RD – 255“ war dabei der heimliche Star. Tag für Tag sammelte er die „erschöpften Veteranen“ ein und brachte sie zur Generalüberholung. Manche Schläuche legten im Laufe ihres Lebens vermutlich mehr Kilometer zurück als so manches Familienauto.
Mit der "Kreis-Schlauchpflegerei" ist auch der Name Werner Green untrennbar verbunden. Der inzwischen Verstorbene war ehemaliges Mitglied der 6. Gruppe sowie Zugführer der Feuerwehr Rendsburg und arbeitete über viele Jahrzehnte bis zu seinem Renteneintritt Ende der 2010er Jahre in der Schlauchpflegerei. Er kannte die Feuerwehrhäuser im Kreis Rendsburg-Eckernförde sprichwörtlich wie seine Westentasche. Ob kleine Dorffeuerwehr oder größere Stützpunktwehr – Werner wusste genau, wo welches Gerätehaus stand und welche Kameradinnen und Kameraden dort ihren Dienst versahen. Für viele war er nicht nur der Mann vom Schlauchwagen, sondern ein geschätzter Ansprechpartner und ein bekanntes Gesicht im gesamten Kreisgebiet.
Die Verbundenheit mit dieser Aufgabe hatte bei Familie Green bereits Tradition, denn auch sein Vater war schon in der Schlauchpflegerei tätig. Damit setzte Werner eine Familiengeschichte fort, die eng mit der Feuerwehr und der Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger verbunden war.
Rückblickend zeigt dieser Zeitungsausschnitt eindrucksvoll, wie viel Engagement und Handarbeit hinter einer funktionierenden Feuerwehr standen – und noch heute stehen. Während draußen die Einsätze bewältigt wurden, sorgten im Hintergrund viele fleißige Hände dafür, dass die Technik jederzeit einsatzbereit war.
Und wenn irgendwo im Kreis ein Schlauch plötzlich besonders geschniegelt aussah, dann wusste man: „RD – 255“ war wieder unterwegs. Vielleicht saß am Steuer Werner Green, der auf seinen Fahrten nicht nur Schläuche transportierte, sondern auch ein Stück Feuerwehrkameradschaft lebte.

Der Schlauchturm war schon von weitem zu sehen. Bilder aus alten Tagen


Bilder vom Schlauchturm nachdem die Schläuche gewaschen wurden (Zum Vergrößern aufs Bild klicken)
Bilder der alten Atemschutzstrecke in der Berliner Straße (Zum Vergrößern aufs Bild klicken)