
Im Jahr 1934 wechselte sie den Dienstherrn – nicht leise, nicht unauffällig, sondern standesgemäß: Eine DL 22, gebaut aus Stahl, Nieten und preußischer Gründlichkeit, wurde von der Feuerwehr Rendsburg an die Feuerwehr der Chemischen Düngerfabrik übergeben. Kaufpreis: stolze 17.650 Mark. Für diese Summe bekam man damals vermutlich ein kleines Haus – oder eben eine 9,27 Meter lange Feuerwehrlegende.
Und lang war sie wirklich. Mit ihren 9,27 Metern Länge, 2,34 Metern Breite und 2,90 Metern Höhe war sie nichts für schüchterne Hofeinfahrten. Wenn sie um die Ecke kam, wusste jeder: Jetzt wird es ernst. Oder zumindest sehr groß.
Unter der Haube arbeiteten 65 PS – heute würde man darüber schmunzeln, doch damals war das ehrliche Kraft. Und sie bewegten immerhin 5,54 Tonnen Stahl, Technik und Zuverlässigkeit. Keine Rennmaschine, aber eine, die kam, wenn man sie brauchte. Und sie kam zuverlässig.
Ihre Pumpe schaffte 1.500 Liter pro Minute – genug, um so manchem Brand den Mut zu nehmen. Während andere vielleicht noch nach dem Hydranten suchten, hatte sie längst Druck aufgebaut. Man sagt, sie habe mehr Wasser bewegt als mancher Stapler Dünger.
Über Jahrzehnte war sie Teil des Werks, Teil der Feuerwehr, Teil des Alltags. Sie sah Generationen von Feuerwehrmännern kommen und gehen. Manche lernten auf ihr das Handwerk, andere fluchten leise über ihre Eigenheiten – aber am Ende waren sie doch stolz, auf ihr zu stehen. Eine Drehleiter ist eben nicht nur ein Fahrzeug. Sie ist Aussichtspunkt, Arbeitsplatz und manchmal auch Mutprobe.
1981 wurde noch groß gefeiert: 60 Jahre Freiwillige Feuerwehr der Chemischen Düngerfabrik – mit einer Großübung, wie es sich gehört. Und mittendrin: die alte DL 22. Wahrscheinlich dachte sie sich insgeheim: „Sechzig Jahre? Ich bin doch auch schon fast fünfzig!“
Drei Jahre später, am 27. Oktober 1984, war es dann so weit: 50. Geburtstag. Ein halbes Jahrhundert im Dienst – das schafft nicht jeder. Es wurde gefeiert, und das zu Recht. Doch das Jahr brachte auch Wehmut. Zeitgleich endete nach 63 Jahren die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr der Chemischen Düngerfabrik. Ein Kapitel schloss sich – nicht leise, aber würdevoll. Und die DL 22?
Sie hatte ihre Pflicht getan. Nun soll sie einem Museumsverein übergeben werden. Kein Einsatz mehr bei Wind und Wetter, kein Blaulicht in der Nacht – sondern ein Ehrenplatz. Dort darf sie erzählen. Von 1934. Von 17.650 Mark. Von 65 PS, die 5,54 Tonnen bewegten. Von 1.500 Litern pro Minute. Von Festen, Übungen und vom Ende einer Ära. Vielleicht wird dann jemand vor ihr stehen, die Maße bestaunen und sagen:
„Ganz schön groß.“ Und sie würde, wenn sie könnte, leise antworten:
„Nicht nur groß. Bedeutend.“ Denn sie ist mehr als Stahl und Technik.
Sie ist ein Stück Geschichte auf vier Rädern. 🚒













