Nächtlicher Einsatz auf der Hochbrücke Rendsburg – oder: Wenn der Plattfuß schneller ist als die Feuerwehr

In der Nacht auf der Hochbrücke Rendsburg war mal wieder Action angesagt. Geplant war eine hochoffizielle, hochprofessionelle und – wie wir dachten – hochspannende Vorführung eines Hilfeleistungswagens der Berufsfeuerwehr Frankfurt. Die Kolleginnen und Kollegen waren extra weit aus dem Süden angereist, im Gepäck ihr Spezialfahrzeug für Bahnunfälle, ausgestattet mit… Cessna-Reifen. Ja, richtig gehört. Wenn schon Schiene, dann wenigstens mit einem Hauch von Luftfahrt.

Gegen Mitternacht wurde die Strecke gesperrt. Ein Moment, in dem man sich kurz wie bei einem Hollywood-Dreh fühlt – nur ohne Catering. Wir machten uns auf zum Stellwerk Rendsburg, wo der große Moment kam: Der Wagen musste auf die Schienen. Und sagen wir es so: Der Vorgang war weniger „technikgestützt“ und mehr „reine Muskelkraft“. Männpower eben. Drei Zentimeter links, zwei rechts, „Halt mal kurz!“, „Nein, mein Fuß!“, „Jetzt passt’s!“.

Dann: Start frei. Geplant war eine entspannte Testfahrt von etwa zwei Kilometern bis zum Brückenanfang. Einmal schauen, wie flott das Gerät so ist – vielleicht ja sogar ein bisschen Fahrtwind genießen.

Doch der Fahrtwind blieb aus. Der Fortschritt auch.

Nach etwa einem Kilometer hörten wir ein Geräusch, das nie etwas Gutes verheißt: PFFFFFFFFT. Die Cessna-Reifen hatten offenbar beschlossen, dass sie lieber wieder fliegen würden und quittierten ihren Dienst. Plattfuß. Auf beiden Seiten. Auf freier Strecke. In tiefster Nacht.

Und warum?
Nun, der Hilfeleistungswagen fährt in Frankfurt sonst auf S- und U-Bahn-Strecken – und dort gibt es kaum Weichen. Die Schienen sind dort fast so geradeaus wie die Startbahn am Flughafen. Auf der Hochbrücke Rendsburg hingegen fühlt sich so ein Cessna-Reifen wie im Weichenlabyrinth von Hogwarts. Jede Weiche bedeutet Belastung – und die Summe aller Belastungen bedeutete: Verschleiß bis zum Umfallen. Im wahrsten Sinne.

Was nun folgte, war weniger Feuerwehrtechnikschau und mehr „Teambuilding der besonderen Art“: Wir durften den rundlichen, nun nicht mehr ganz so rollfreudigen Hilfeleistungswagen den gesamten Weg zurückschieben. Und wer schon einmal einen Wagen mit Plattfuß geschoben hat, weiß: Da entdeckt man Muskelpartien, von denen man nicht einmal ahnte, dass sie existieren.

Am Ende des nächtlichen Schiebemarathons standen dann die Vertreter von Land, Bund und sonstigen hohen Stellen da – die Stirn in Falten, den Blick irgendwo zwischen „Erwartung enttäuscht“ und „Wer hatte DIESE Idee?“. Begeisterung sieht definitiv anders aus.

Aber hey: Wir hatten zumindest eine Geschichte, die man so schnell nicht vergisst. Und die Frankfurter Kollegen vermutlich auch nicht.