Es war einer jener Tage, an denen die Ostsee glatt wie ein Spiegel dalag, und man meinen konnte, selbst die Fische hätten Siesta. Wir stachen mit unserem kleinen Boot in See – nichts Großes, aber für uns reichte es allemal, um das Gefühl zu haben, freie Männer des Meeres zu sein.
An der Pinne stand Bruno, unser alter Seebär. Ein Mann, der schon mehr Wellen gesehen hatte, als wir warme Mahlzeiten. Einer, der Windstärken nicht in Beaufort, sondern in „Ach, das geht schon“ misst.
Die Sonne lachte, die Möwen kreischten – und dann kam sie: die schwarze Wolke. Erst ein kleiner Fleck am Horizont, dann ein Ungetüm, das den Himmel verschluckte. Der Wind nahm Fahrt auf, als wollte er uns zeigen, wer hier wirklich das Sagen hat.
„Ach, das zieht vorbei“, brummte Bruno noch. Doch die Ostsee hatte andere Pläne. Binnen Minuten tanzten die Wellen wie Teufel, und das Wasser begann über die Bordkante zu schlagen. Ein Schwall hier, ein Schwall da – bald stand das kühle Nass uns bis zu den Knöcheln.
„Bruno“, rief ich gegen den Sturm an, „ist das normal, dass wir hier unten 30 Zentimeter Ostsee mitfahren?“ Er sah mich an, so ruhig wie ein alter Leuchtturm in der Brandung, und meinte nur: „Gib mir den Eimer. Die Pumpe geht nicht.“
Da wusste ich: Jetzt ist der Spaß vorbei.
Und während wir wie die Wahnsinnigen schöpften, zog die Feuerwehr Eckernförde mit ihrem prächtigen Boot an uns vorbei – auf dem Weg in den sicheren Hafen. Wir winkten. Sie auch. Nur leider in entgegengesetzte Richtung.
Doch wir hielten Kurs! Mit Eimern, Mut und einer gehörigen Portion Seemannsglück kämpften wir uns durch Wind und Gischt. Jeder Eimer Wasser, der über Bord ging, fühlte sich an wie ein kleiner Sieg über Poseidon höchstpersönlich.
Als wir endlich, klitschnass und durchgefroren, wieder den Hafen erreichten, war das Meer wieder still – als wäre nichts gewesen.
Bruno stand an Deck, tropfte leise vor sich hin, nahm sich ein Bier und sagte mit seinem typischen Grinsen: „War doch ’ne schöne Runde, oder?“
Und so ging unser kleiner Sturm in die Geschichte ein – nicht als Katastrophe, sondern als Beweis, dass man auf der Ostsee nie zu sicher sein darf. Und dass ein Eimer manchmal wertvoller ist als jede moderne Pumpe.