Man staunte nicht schlecht in Rendsburg: Am 20. April 1972 feierte man fröhlich das 50-jährige Jubiläum der Wiedergründung der Freiwilligen Feuerwehr von 1922. Sekt, Reden, Musik – alles fein organisiert. Doch kaum waren neun Jahre vergangen, da hieß es plötzlich: „Leute, haltet euch fest – wir werden 112!“
Wie bitte? 50 Jahre plus 9 Jahre sind bei normaler Rechenweise 59 – aber Feuerwehrleute rechnen offenbar mit Blaulichtgeschwindigkeit!
Tatsächlich fing alles schon 1868 an. Damals gab es zwar schon ein imposantes „Brandcorps“ mit 370 Mann – aber offenbar mehr zum Marschieren als zum Löschen. Darum gründeten 30 tapfere Turner eine eigene Turnerfeuerwehr. Man kann sich die Szene vorstellen: Muskulöse Herren mit Strohhüten, stolz mit Eimer und Horn, bereit, jedem Brand zu zeigen, wo der Rauch herkommt.
Und sie waren gut! Schnell, effizient, prämiert – und ziemlich beliebt. Nur bei einem nicht: dem großen Brandcorps. Neid und Missgunst loderten heißer als so mancher Dachstuhlbrand, und so musste sich die Turnerfeuerwehr 1879 wieder auflösen.
Vier Jahrzehnte lang blieb’s still. Dann, nach dem Ersten Weltkrieg, flammte der Mut wieder auf: „Wir gründen neu!“ Und siehe da – am 2. März 1922 meldeten sich 70 Männer freiwillig. Ein Jahr später waren es schon 139 (120 freiwillig, 19 pflichtbewusst).
Doch die Geschichte wäre keine gute Anekdote, wenn sie sich brav an Jahreszahlen hielte. In den 1970er Jahren fragte man dann den Landesbrandmeister Jonny Matthiessen, was denn nun stimme – 1868 oder 1922? Der sagte sinngemäß: „Die Wehr kann ja nix dafür, dass sie zwischendurch mal nicht existiert hat.“
Und damit war klar: Man wollte den 100. Geburtstag (1972) nicht nachfeiern, und bis zum 125. (1997) zu warten, wäre langweilig. Also entschied man sich pragmatisch: 112 Jahre klingt doch prima! Und siehe da – die Feuerwehr feierte ihr Jubiläum einfach nach der eigenen Notrufnummer.
Am 17. Oktober 1981 war es soweit: und es wurde die Geburtstagsparty mit dem ,,1. Tag der offenen Tür" nach Einweihung der Feuerwache in der Herrenstraße verbunden. Die Tore standen offen, die Bratwürste lagen bereit, und ganz Rendsburg feierte den „1. Tag der offenen Tür“ – und gleichzeitig einen Geburtstag, den niemand so recht erklären konnte.
Aber das war egal. Denn wer so treu das Feuer löscht, der darf auch mal mit den Zahlen spielen.