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Kapitel 10: Die Sage vom brennenden Geduldsfaden: Rendsburgs unendliche Wache

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Kapitel 10 (07.07.2014)

Diskussion um eine zusätzliche Feuerwache

Es war im Sommer des Jahres 2014. In Rendsburg trug man die Haare vielleicht etwas anders, aber eines war so beständig wie die Gezeiten in der Eider: Die Gewissheit, dass die Feuerwehrwagen in der Herrenstraße jeden Morgen kollektiv den Atem anhalten mussten, um durch die Hallentore zu passen.

Millimeterarbeit und magische Gutachten

Damals, als man noch glaubte, dass „Herbst 2014“ ein verbindliches Zeitfenster für einen Bericht sei, herrschte im Bauausschuss eine fast schon euphorische Betriebsamkeit. Man hatte das Unmögliche gewagt: Man wollte jemanden fragen, der sich damit auskennt. Ein „externes Fachbüro“. In der Kommunalpolitik ist das der Moment, in dem die Engel singen und die Aktenordner im Archiv erwartungsvoll mit den Ohren schlackern. Die Situation war prekär. Die Fahrzeughalle war so eng, dass der Vorstand der Feuerwehr vermutlich Bewerber nach ihrem Geschick im „Tetris“-Spielen aussuchte. Wer den großen Wagen ohne Lackschaden aus der Halle manövrierte, bekam das Bundesverdienstkreuz am Bande – oder zumindest ein belegtes Brötchen bei der nächsten Übung.

Die große Standort-Lotterie

Es war die Zeit der großen Träume und der noch größeren Kartenentwürfe. Man warf mit Namen um sich, als würde man Monopoly spielen:

  • Güterbahnhof? Klingt nach Aufbruch!
  • Feldwebel-Schmid-Kaserne? Strategisch brillant (wenn auch etwas weit weg, aber wer braucht schon die 12-Minuten-Frist, wenn man schöne Gebäude hat?).
  • Parkdeck abreißen? Die radikale Lösung – René Satorius (SPD) wollte klotzen, nicht kleckern.

Die CDU betonte derweil mit der Sanftmut einer Denkmalschutzbehörde, dass die „Planung im Bestand“ erste Priorität habe. Man wollte das Alte bewahren – vermutlich inklusive der Schweißperlen der Fahrer, die beim Ausparken um die Spiegel bangten.

Der Beginn einer langen Reise

„Bis Herbst soll der Bericht vorliegen“, hieß es im Juli 2014 hoffnungsfroh. Es war ein herrlich naiver Satz. Ein Satz, der heute, Jahre später, in den Archiven der Landeszeitung leise kichert, wenn nachts das Licht ausgeht. Niemand ahnte damals, dass das „Fachbüro“ wahrscheinlich nicht nur Standorte prüfte, sondern zwischendurch vermutlich noch das Rätsel des Bermuda-Dreiecks löste und die Bernsteinzimmer-Suche leitete, so gründlich schien die Vorbereitung auf das zu sein, was noch kommen sollte...

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