


Im Sommer 2014 war es so weit:
Die Zukunft der Feuerwehr bekam zwei Seiten. Nicht als Vision, nicht als Überschrift – sondern als Beschlussvorlage mit Anlagen. Wer bis dahin noch gezweifelt hatte, dass es ernst wird, wurde spätestens beim Wort „Machbarkeitsstudie“ nachdenklich. Denn eine Machbarkeitsstudie stellt keine Fragen mehr. Sie beantwortet sie – langsam, gründlich und kostenpflichtig. Ein externer Fachplaner sollte es nun richten.
Extern bedeutete: unvoreingenommen.
Fachplaner bedeutete: jemand, der weiß, wie breit ein Feuerwehrfahrzeug wirklich ist.
Und beauftragt bedeutete: Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Der Auftrag war umfangreich. Sehr umfangreich.
Zuerst sollte ein Raum- und Flächenprogramm erstellt werden – angemessen, normgerecht und vergleichbar mit anderen Städten. Vergleichbar war ein schönes Wort. Es suggerierte, dass es anderswo bereits Feuerwachen gab, in denen man sich gleichzeitig bewegen konnte. Dann sollte die feuerwehrtechnische Ausstattung analysiert werden. Also all das, was sich in Rendsburg bislang hauptsächlich durch geschicktes Stapeln und gegenseitige Rücksichtnahme bewährt hatte. Anschließend ging es an die Standorte.
Wieder einmal. Die Herrenstraße blieb im Rennen – nun offiziell als „Ertüchtigung“. Ein Begriff, der Hoffnung machte, ohne konkrete Quadratmeter zu versprechen. Dazu kamen der Güterbahnhof, das Bundeswehrdienstleistungszentrum und – zumindest gedanklich – all die Flächen, die man in den letzten Jahren schon einmal liebgewonnen und wieder verabschiedet hatte. Neu war, dass man jetzt alles bewerten wollte:
Letzteres war besonders ambitioniert. Kreuzungsfreier Verkehr war in Rendsburg bislang eher ein theoretisches Konzept. Am Ende sollte ein Konzeptentwurf entstehen – mit Kostenschätzung. Auch das war neu. Kosten waren bisher meist erst am Ende einer Diskussion aufgetaucht, nun standen sie schon im Pflichtenheft. Der Aufwand für die Studie wurde auf 10.000 bis 12.000 Euro geschätzt. Eine vergleichsweise kleine Summe, wenn man bedachte, dass hier über ein Projekt entschieden werden sollte, das die Feuerwehr für Jahrzehnte prägen würde. Man hätte es auch „Eintrittspreis in die Realität“ nennen können. Ganz am Schluss fand sich noch ein Schreiben des Schaustellerverbandes, der vorsorglich mitteilte, dass man die Nutzung des Willy-Brandt-Platzes nicht so gut fände. Auch das gehörte inzwischen zur Geschichte: Wo immer eine neue Feuerwache gedacht wurde, war garantiert jemand dagegen. Das war fast schon Tradition. Für die Feuerwehr selbst fühlte sich dieses Kapitel anders an.
Nicht euphorisch.
Nicht triumphierend.
Aber ernsthaft. Zum ersten Mal ging es nicht mehr darum, ob man etwas tun müsse, sondern wie. Und das war ein Fortschritt, den man nicht messen konnte – aber spürte. Die Wache war noch immer zu klein.
Die Spinde standen noch immer zu eng.
Aber irgendwo schrieb nun jemand auf, warum das so war – und was es kosten würde, es zu ändern. Und das war, für diese Geschichte, ein erstaunlich großer Schritt.