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Kapitel 8: Die Experten der Feuerwehr-Unfallkasse

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Kapitel 8 (03.03.2014)

Zwei Standorte schwächen die Truppe

Manchmal sagt eine Überschrift alles:

„Zwei Standorte schwächen die Truppe.“ Das war kein Vorschlag mehr.

Das war eine Diagnose. Die Feuerwehr-Unfallkasse hatte das Maßband endgültig ausgepackt. Ein Experte erklärte geduldig, warum eine zu kleine Wache nicht nur unpraktisch, sondern auch gefährlich ist. Fahrzeuge unter Dachoberkanten, Ausrüstungen in Durchgängen, Umkleiden mit Hindernisparcours-Charakter – alles bekannt, alles dokumentiert. Neu war nur der Ton.

Er war deutlich. Seit Jahren hieß es, die Wache platze aus allen Nähten. Nun wurde präzisiert, wie genau sie das tat: in Zentimetern. Zentimeter, die fehlten. Zentimeter, die darüber entschieden, ob man sich den Helm stößt oder nicht. Zentimeter, die man nicht einfach wegdiskutieren konnte. Die Idee, Fahrzeuge auszugliedern, wurde ebenfalls seziert. Klingt gut, sagte man. Spart Platz, sagte man. Schwächt die Truppe, sagte die Unfallkasse. Denn Feuerwehr lebt davon, gemeinsam auszurücken – und nicht davon, sich auf zwei Standorte zu verteilen und unterwegs Hallo zu sagen. Man erklärte das ruhig, sachlich und mit der Geduld von Menschen, die wissen, dass sie recht haben. Zwei Standorte bedeuteten längere Wege, langsamere Einsätze und mehr Risiko. Dinge, die man in der Feuerwehr grundsätzlich meidet. Auch die politische Perspektive wurde beleuchtet. Wie lange gebe man der Stadt noch Zeit? Die Antwort klang vertraut: Man verlängere Fristen. Wieder einmal. Nicht, weil man das so gerne tue, sondern weil man wisse, wie komplex alles sei. Komplex war inzwischen ein Synonym für: Es dauert.Besonders eindrucksvoll war die Beschreibung des Alltags. Klappstühle und Säcke mit Ölbindemitteln standen dort, wo eigentlich niemand stehen sollte. Spinde, die gleichzeitig Verkehrsweg und Lagerraum waren. Und eine Feuerwehr, die trotz all dem funktionierte – erstaunlich zuverlässig.Die Unfallkasse betonte, dass in Rendsburg bislang schlimme Unfälle ausgeblieben seien. Nicht, weil alles gut sei, sondern weil man umsichtig arbeite. Umsicht war hier kein Konzept, sondern Überlebensstrategie.Und irgendwo zwischen all diesen Sätzen schwang sie wieder mit, die alte Bekannte: die neue Feuerwache.

Nicht mehr als Wunsch.

Nicht mehr als Idee.

Sondern als zwingende Notwendigkeit. Man hätte meinen können, dass damit alles gesagt war.

War es aber nicht. Denn diese Geschichte hatte inzwischen gelernt, dass selbst klare Worte manchmal sehr lange Wege gehen müssen.

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