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Kapitel 12: Platz an der Nordmarkhalle erste Wahl

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Kapitel 12 (27.11.2014)

Erste Wahl, zweite Gedanken, dritte Karte von oben

Nach nur zwei Tagen des Schweigens, Sortierens, Rechnens und vermutlich auch des stillen Seufzens nahm die Diskussion um die neue Feuerwache wieder Fahrt auf. Und diesmal klang es fast nach Fortschritt. Fast. Der neue Lieblingssatz lautete nun:

„Platz an der Nordmarkhalle – erste Wahl.“ Endlich hatte die Geschichte einen Favoriten. Kein Gerücht, keine Idee, sondern ein Gelände mit Bahnvergangenheit und großzügigem Versprechen. Der ehemalige Güterbahnhof – ein Ort, an dem früher Waggons rangierten und nun endlich auch Feuerwehrfahrzeuge wenden könnten, ohne dabei die Außenspiegel zu opfern. Auf dem Papier sah alles wunderbar aus.

Variante 1: zu eng.

Variante 2: fällt raus.

Variante 3: viel Platz, große Freude, breite Hallen. Sogar eine Karte wurde bemüht, nummeriert und erklärt, damit auch wirklich jeder sah, warum Nummer drei die logischste aller Lösungen war. Die Verwaltung nickte, das Planungsbüro nickte, und irgendwo im Hintergrund nickte vermutlich auch ein Maßband zufrieden. Doch wie jede gute Chronik wusste auch diese:

Wo ein Favorit ist, ist der nächste Zweifel nicht weit. 900.000 Euro Kaufpreis für das Gelände waren kein Pappenstiel, sondern eher ein ganzer Brotkorb. Dazu kam die Erkenntnis, dass selbst der schönste Platz nur dann nützt, wenn man ihn auch schnell erreicht – und wieder verlässt. Bahnbrücken, Kieler Straße, alte Verkehrsachsen: Alles Faktoren, die im Einsatzfall plötzlich nicht mehr theoretisch, sondern sehr real wurden. Der Wehrführer zeigte sich pragmatisch. Alle Varianten seien machbar, sagte er, aber ausschließen wolle man nichts. Ein Satz, der inzwischen zur Feuerwehr-Grundausstattung gehörte – gleich neben Helm, Stiefeln und Geduld. Und dann war da noch die große Idee im Hintergrund:

Warum allein bauen, wenn man auch gemeinsam träumen kann? Eine mögliche Kooperation mit dem Kreis wurde ins Spiel gebracht. Synergien, gemeinsame Nutzung, langfristige Perspektiven – große Worte, die klangen, als könnten sie irgendwann sogar Beton ersetzen. Eine zentrale Wache für Stadt und Kreis, ein Feuerwehr-Zukunftsprojekt mit Platz, Planung und Perspektive. Doch wie immer galt:

Langfristig gut. Kurzfristig kompliziert. So endete auch dieses Kapitel mit einem klaren Favoriten, aber ohne endgültige Entscheidung. Die Nordmarkhalle lag vorne, doch das Ziel war noch nicht erreicht. Die Feuerwehr rückte weiter aus – zuverlässig, routiniert, aus einer Wache, die längst zu klein war für die großen Pläne, die man inzwischen für sie schmiedete. Und irgendwo zwischen Karte Nummer drei und der nächsten Ausschusssitzung reifte langsam die Erkenntnis:

Diese Geschichte würde noch einige Kapitel brauchen.

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