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Kapitel 5: Feuerwehr-Einsatz  für den Ausschuss

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Kapitel 5 (18.02.2011)

Die Schonfrist und der Rundgang der Erkenntnis

Irgendwann stand es schwarz auf weiß in der Zeitung:

„Eine Schonfrist für die Feuerwache?“ Ein Fragezeichen – das verlässlichste Zeichen dafür, dass noch nichts entschieden war. Die Unfallkasse schlug Alarm. Nicht akustisch, sondern finanziell: 5,5 Millionen Euro für Sanierung oder Neubau. Eine Summe, die in der Feuerwehr sofort Fantasien auslöste. So viel Platz, dachte man, dass man sich beim Umziehen vielleicht sogar umdrehen könnte. Gleichzeitig wusste jeder: Große Zahlen bewegen sich langsam. Sehr langsam. Die Feuerwehr hatte im vergangenen Jahr 359 Einsätze gefahren. Brände, Hilfeleistungen, Notfälle. Man rückte aus, wie man es immer getan hatte – nur eben unter erschwerten Bedingungen. Duschen nach Einsätzen? Nur eingeschränkt. Große Fahrzeuge? Passten, irgendwie. Spezialfahrzeuge? Eher theoretisch. Die Zeitung nannte es beim Namen:

Zu klein und mit vielen Mängeln.

Das traf es erstaunlich gut. Kurz darauf folgte der nächste Akt: Der Ausschuss kam zur Feuerwehr.

Ein Einsatz anderer Art. Kommunalpolitiker drängten sich durch Flure, die schmaler waren als erwartet. Manche blieben stehen, nicht aus Interesse, sondern weil schlicht kein Weiterkommen war. Man erklärte, zeigte, demonstrierte. Helme hingen ordentlich nebeneinander – so ordentlich, wie man sie eben auf halbem Raum unterbringen konnte. Besonders beeindruckend war der Umkleideraum.

„Nur halb so groß wie vorgeschrieben“, hieß es.

„Aber doppelt so gut genutzt“, hätte man ergänzen können. Die Politiker sahen, hörten und nickten. Einige wirkten überrascht. Andere taten so, als hätten sie es sich genau so vorgestellt – was niemand so recht glaubte. Es war der berühmte Moment, in dem Theorie und Praxis sich begegnen und beide kurz unsicher sind. Der Wehrführer erklärte ruhig, dass man nach Einsätzen nicht immer duschen könne, dass Wege versperrt seien und Fahrzeuge millimetergenau rangiert würden. Niemand widersprach. Es wäre auch schwierig gewesen – allein schon platzbedingt. Die Unfallkasse hatte klargemacht:

Eine einfache Lösung würde es nicht geben.

Sanierung oder Neubau – beides teuer, beides notwendig. Und so schwebte sie über allem, die Schonfrist.

Ein Wort, das Hoffnung machte und gleichzeitig verriet, dass man eigentlich schon zu spät war. Man verließ die Wache mit Eindrücken, Fotos und Notizen. Die Feuerwehr blieb zurück – mit Helmen, Spinden und der leisen Gewissheit, dass nun wirklich alle gesehen hatten, wie eng es war. Ob das etwas ändern würde?

Noch wusste es niemand. Aber eines war klar:

Wenn Erkenntnis Platz bräuchte, hätte man sie jetzt offiziell eingeführt.

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