Hochbrücke in Flammen – ein Einsatz der besonderen Art
Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 800-jährigen Jubiläum der Stadt Rendsburg wurde im Jahr 1999 eine spektakuläre Kunstaktion geplant: Die Rendsburger Eisenbahnhochbrücke – das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt – sollte „in Flammen stehen“. Natürlich nicht wirklich, sondern als kunstvoll inszenierte Licht- und Feuershow unter dem Titel „Hochbrücke in Flammen“. Ein Künstler plante, die Brücke in eine eindrucksvolle Szenerie aus Licht, Rauch, Pyrotechnik und schwebenden Engeln zu verwandeln.
Damit das Kunstprojekt auch wirklich kontrolliert ablaufen konnte, wurden wir – Kamerad Schwerdt, Kamerad Kanne und ich – zur Brandsicherheitswache eingeteilt. Unsere Aufgabe war klar definiert: Oben auf der Brücke, in rund 40 Metern Höhe, sollten wir das Geschehen jeder mit einem Feuerlöscher im Auge behalten und im Notfall eingreifen. Eine eher ungewöhnliche, aber umso spannendere Aufgabe.
Ungeplanter Zugverkehr
Die erste Überraschung ließ nicht lange auf sich warten. Laut Einsatzplanung war die Hochbrücke für den Zugverkehr gesperrt. Wir befanden uns also in aller Ruhe auf den Gleisen, als plötzlich ein Güterzug heranrollte – völlig unerwartet und mit beachtlicher Geschwindigkeit. Wir konnten uns gerade noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Erklärung des anwesenden Bahnmitarbeiters fiel knapp aus:
„Das passiert manchmal.“ Ein Satz, der uns den Rest des Abends begleiten sollte.
Wenn Kunst wirklich brennt
Als die Kunstaktion schließlich begann, bot sich uns ein beeindruckendes Bild: Lichter, Rauch, Musik – die Brücke verwandelte sich in ein schwebendes Feuerwerk. Doch mitten im Spektakel fiel plötzlich ein brennendes Teil auf die Gleise. Der Bahnmitarbeiter reagierte sofort und wollte das glühende Stück kurzerhand austreten. Ungünstigerweise befanden sich in diesem Bereich Gummimatten, die sich beim Kontakt mit der Flamme erhitzten und an seiner Kleidung festsetzten. Innerhalb weniger Sekunden stand der Mann selbst in Brand.
Ich griff sofort zum Feuerlöscher, eilte zu ihm und löschte das Feuer – schnell, gezielt und erfolgreich. Glücklicherweise kam er ohne größere Verletzungen davon. Einen vorsorglichen Rettungsdienst wollte der Mitarbeiter nicht. Aus unserer Sicht war der Einsatz damit erledigt.
Ein unerwartetes Nachspiel
Einige Tage später folgte jedoch die zweite Überraschung: Ich erhielt eine Anzeige – vom Bahnmitarbeiter selbst. Der Vorwurf lautete sinngemäß, ich hätte ihn „unsachgemäß behandelt“. Zweimal musste ich in der Folge vor Gericht erscheinen. In beiden Verfahren wurde ich vollständig freigesprochen und von jeder Schuld entlastet. Die Richter erkannten an, dass mein Eingreifen notwendig, angemessen und richtig war.
Fazit
Die Aktion „Hochbrücke in Flammen“ blieb allen Beteiligten in lebhafter Erinnerung – als "beeindruckendes" Kunstereignis, aber auch als Beispiel dafür, dass selbst bei bester Vorbereitung Unvorhergesehenes passieren kann. Die Brücke steht bis heute, der Bahnmitarbeiter ist wohlauf, und wir haben gelernt: Wenn Kunst brennt, ist es gut, wenn jemand mit einem Feuerlöscher in der Nähe ist.