Durch ein großes Schadensfeuer im Alten Rathaus in Rendsburg ist in der Nacht zum 2.März viel wertvolles, zum Teil unersetzliches Museumsgut vernichtet oder sehr schwer beschädigt worden. Im Jahre 1932 wurde ein Teil der Räume des Alten Rathauses dem Heimatmuseum für seine Zwecke zur Verfügung gestellt. Die Verwaltung war damals in das heutige Rathaus umgezogen.
Das Alte Rathaus, 1446 in seinen Ursprüngen gebaut, wurde 1566 erweitert, hat später noch einige kleinere Veränderungen erfahren, ist aber in seiner ganzen Form bis heute in seiner alten Gestalt erhalten geblieben.
Das Feuer, das durch zwei Brüder, einen 21 jährigen jungen Mann und dessen 18 jährigen Bruder angelegt wurde, die übrigens bald von der Kriminalpolizei ermittelt und festgenommen wurden, brach in den unteren, vom städtischen Steueramt benutzten Räumen aus, verbreitete sich dann durch die Decke nach oben in die Schifffahrtsabteilung des Museums und richtete dort große Schäden unter den Schiffsmodellen an, von denen die meisten verbrannt oder so schwer beschädigt wurden, dass sie wahrscheinlich nicht wieder hergestellt werden können. Auch die Schauschränke sind demoliert, zum Teil durch herabstürzende Deckenteile.
Noch mehr hat das Feuer im Dachgeschoß gewütet, das völlig ausgebrannt ist. Hier ist die umfangreiche Biologische Abteilung, die erst kürzlich zu einem Teil modernisiert worden war, und deren Überholung und Ergänzung und Erweiterung demnächst fortgeführt werden sollte, vom Feuer restlos zerstört worden, und es ist nicht das Geringste mehr von ihr übriggeblieben. Nicht nur die Tiere, zumeist Vögel, sind verbrannt, auch die weiteren Sammlungen von Vogeleiern, Vogelnestern, Käfern, Libellen, Schmetterlingen sind verloren, auch Bilder von geschützten Pflanzen unseres Gebietes, die Frau Groth angefertigt hatte, sowie eine Mineraliensammlung von Herrn Herwig, fünf große, besonders schöne und wertvolle Truhen und Koffer aus Bauernbesitz, ein Marmortisch aus dem Nachlass von Kommerzienrat Thormann sind völlig verloren.
Mit dem Inhalt sind 10 große Dioramen, die dazugehörigen Lichtanlagen verlorengegangen, ebenso 18 Tischvitrinen. Besonders schmerzlich ist der Verlust eines Seeadlers, eines Kolkraben und eines Basstölpel, die kaum wiederbeschafft werden können. Auch in den Nachbarräumen, die als Magazinräume dienten, sind große Verluste entstanden. 12 Schränke, 5 Tische, 1 große Truhe, dazu die Restbestände der 23 Jahrgänge des Jahrbuches von 1951 bis 1972, zusammen etwa 4000 Bände, sind verbrannt, angekohlt und damit unbrauchbar geworden oder durch Wasser zerstört. Nur geringe Bestände, die im Erdgeschoß aufbewahrt wurden, sind erhalten geblieben.
Im großen Festungsraum, dem angrenzenden Rendsburg- Zimmer sowie in der volkskundlichen Abteilung sind die größten Schäden durch das Wasser entstanden, das in das Gebäude geschleudert werden musste, um den Brand einzudämmen. So sind im Festungssaal vor allem zahlreiche Bilder aus dem alten Rendsburg und der Inhalt von 8 Vitrinen stark beschädigt worden. Die großen Stadtmodelle, die seinerzeit Pastor Schröder von Strafgefangenen hatte anfertigen lassen, sind durch herabstürzende Deckenteile zum Teil erheblich beschädigt worden. Wir hoffen das sie wieder herzustellen sind.
Die alten Wallbüchsen und Festungsgewehre sind unversehrt erhalten geblieben. Auch das Erkerzimmer ist vom Feuer verschont geblieben. Lediglich einige Wasserschäden sind zu verzeichnen. Der alte Ratssaal und der danebenliegende Senatssaal sind bis auf Wasserschäden erhalten geblieben. Das Erdgeschoß wurde vom Feuer nicht heimgesucht. Die Bauernstube, das Thormann- Zimmer, die vor- und frühgeschichtliche Abteilung sowie das Trachtenzimmer mit den alten Trachten aus dem Kreis Rendsburg sind unbeschädigt. Auch hier gab es nur Wasserschäden. In der Museums- Bücherei, die in der Bauernstube untergebracht war, ist eine Anzahl von Büchern durch die große Hitze vom Nachbarraum her (wo das Feuer seinen Anfang nahm) völlig verkohlt.
Alle Bestände des Museums wurden in schwerer Arbeit ausgelagert, damit der Schaden nicht noch größer würde. Die Stadtverwaltung hatte uns dazu Männer des Stadtreinigungsdienstes mit Fahrzeugen zur Verfügung gestellt, die die schweren Transporte mit großem Eifer durchführten. Beim Ausräumen halfen die Männer des Technischen Hilfsdienstes in vorbildlicher Weise. Aber auch sonst fanden sich viele helfende Hände. Die Beamten des Stadtbauamtes standen uns mit Rat und Tat zur Seite. Allen sei auch an dieser Stelle sehr herzlich gedankt für ihre große Hilfe.
Sehr herzlich gedankt sei der Rendsburger Spar- und Leih- Kasse, die aus Anlass der Feier ihres 150 jährigen Bestehens ein Spendenkonto errichtete und mit einem namhaften Betrag eröffnete, sowie allen denen, die dazu beitrugen, dieses Konto zu füllen. Ein besonderer Dank gebührt auch den Initiatoren der Baustein- Spendenaktion, die die Bausteine druckten, die Aktion vorbereiteten, organisierten und auch sammelten, die die Erbsensuppe kochten und verteilten, die die ganze Aktion mit flotter Marschmusik begleiteten und – die Bausteine kauften. Es ist uns soviel Hilfe zuteilgeworden, dass wir sicher sind, dass die Rendsburger Bürger ein besonderes und herzliches enges Verhältnis zu ihrem Heimatmuseum und dem Museumsverein haben.
Unser Museum bietet im Augenblick einen ziemlich trostlose Anblick. Aber schon sind wir am Werk, die Bestände durchzusehen, zu reinigen, zu ordnen und aufzubauen, auch zu restaurieren. Das wird lange Zeit in Anspruch nehmen. Aber wir hoffen, dass dann das Rendsburger Heimatmuseum schöner sein wird wie bisher. Schon sind uns auch Gelder aus dem Kreis unserer Mitglieder und Freunde zugeflossen, und wir hoffen, dass dieser Strom weiter fließen wird. Denn wir brauchen viel Geld, um alle Dinge, die beschädigt sind, wieder herzustellen oder zu erneuern.